Der Mensch muss das Klima retten. So der Konsens von Wissenschaft und Politik der westlichen Industriestaaten. Bereits Ende Juli 2018 sorgte eine Studie der Universität Lund (Schweden) für Irritationen, die Paaren empfiehlt, auf Kinder zu verzichten, da sie die größten Klimakiller seien. Mittlerweile wird „kinderfrei“ als Klimaschutz propagiert und gleichzeitig demonstrieren tausende Kinder und Jugendliche „FridaysforFuture“.

Der folgende Beitrag zeigt einige Denkmuster und Strategien auf, die den Umgang mit der Erderwärmung und mit ökologischen Fragen generell in der westlichen Welt bestimmen, und stellt diesem eine theologisch fundierte, beziehungsorientierte Sichtweise gegenüber.

Die aktuelle Situation

Die Klimapolitik will die globale Erderwärmung eindämmen mittels Vermeidung von Treibhausgasen, erneuerbaren Energien, höherer Energieeffizienz und Energieeinsparung. Außerdem werden Strategien zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels entwickelt. Dahinter steht die Theorie, dass vom Menschen erzeugte Treibhausgase wie CO2 für den Klimawandel verantwortlich sind, und diese vor allem durch die Verbrennung fossiler Stoffe (Erdöl, Erdgas und Kohle) erzeugt werden. Andere Studien hinterfragen die Auswirkungen des vom Menschen zusätzlich erzeugten CO2, da der Anteil am natürlich vorhandenen sehr gering ist. Es ist außerdem nicht geklärt, ob der CO2-Anstieg in der Atmosphäre Ursache oder Begleiterscheinung der Erderwärmung ist.

Wer ein globales Problem lösen will, kann das nur mit einem weltweit verfolgten Ansatz, also mittels internationaler Zusammenarbeit, nationalen und lokalen Standards und politischen Maßnahmen auf allen Ebenen, um sein Ziel zu erreichen. Dazu braucht es eine gemeinsame Theorie. Auf der anderen Seite steht und fällt jede Zusammenarbeit erkennbar mit den Beziehungen zwischen Nationen, zwischen Regierungen und ihren Regionen und zwischen Institutionen und Individuen.

Um die zwischen Klimaskeptikern und Klima-Alarmismus verhärtete Diskussion auf eine andere Ebene als die scheinbar rational-sachliche zu heben, schlagen wir deshalb eine beziehungsorientierte Sicht auf die Problematik vor. Nach dem biblischen Zeugnis ist der Mensch in Beziehung zu Gott, zu seinem Mitmenschen und zur Schöpfung geschaffen und in Verantwortung gesetzt. Dabei geht die oberste Autorität von Gott aus, der Zeit und Raum geschaffen und die Menschen über die Schöpfung gesetzt hat. Bei Missachtung der ersten beiden, übergeordneten Beziehungsaspekte wird die Beziehung des Menschen zur Schöpfung zwangläufig auch in eine Schieflage geraten.

Politik in der Verantwortung vor Gott

Wir sollen uns laut Schöpfungsauftrag die Erde untertan machen und über die Schöpfung herrschen (1Mose 1,28). Ein gewaltiger Auftrag, den die Wissenschaft des christlichen Abendlandes seit der philosophischen Revolution der Aufklärung in Unabhängigkeit vom Schöpfer unserer Welt wahrnimmt. Spätestens seit der industriellen Revolution zeitigt das gewaltige Nebenwirkungen: zerstörte Landschaften, verschmutzte Luft, kontaminierte Böden und Gewässer, vergiftete und ausgestorbene Arten, kranke Menschen. Die Schöpfung leidet. Das ökologische Gleichgewicht wurde an vielen Stellen gestört. Es erscheint schlüssig, auch die Klimaveränderungen darunter einzuordnen.

Wir lesen gleichzeitig nirgends in der Bibel, dass diese Erde gerettet werden wird oder wir sie retten sollen, sondern dass Himmel und Erde vergehen werden (Mt 24,35) und dass wir vorher einige Katastrophen erleben. Das heißt nicht, dass wir Gott dabei helfen, die Erde weiter mutwillig zerstören oder Zerstörung hinnehmen sollen. Aber es ist uns nirgends gesagt, dass wir auf dieser Erde ein Paradies oder das ewige Leben haben werden. Wir lesen in Röm 8,19-22, dass die Schöpfung der Vergänglichkeit unterworfen ist und darauf wartet, dass die Kinder Gottes offenbar werden. Kinder Gottes leben und wirken aus dem Geist Gottes, und nicht aus der Furcht um ihr irdisches Leben (Röm 8,14-16), die Greta Thunberg und ihre Freunde antreibt („I want you to panic“). Wir haben dazu in 1Mose 8,22ff die Zusage Gottes, dass nicht ewig, aber solange die Erde steht, der Rhythmus der Jahreszeiten, Frost und Hitze nicht aufhören werden. Umweltpolitik braucht Menschen, die in diesem Vertrauen in den Schöpfer und Erhalter der Welt agieren. Priorität in Gottes Rettungsplänen in Zeit und Ewigkeit hat die Erlösung von Menschen aus Furcht und Selbstüberschätzung. Mit erlösten Menschen, die verstanden haben, dass sie nicht Gott, sondern selbst Geschöpf sind, kann auch die Schöpfung erlöst werden (Röm 8,21).

Die Erlösung des Menschen ist nicht der Auftrag der Naturwissenschaftler. Sie dürfen bei ihrem Fach bleiben, die Erde zu erforschen, sich die Abläufe der Naturgesetze zunutze zu machen und wo möglich sie zu beherrschen.  Wenn dies jedoch nicht in Abhängigkeit und Rechenschaft vor Gott geschieht, entwickelt die Wissenschaft sich verselbständigende Heilslehren und versklavt die Menschen an ihre Doktrin, damit sie sich schlussendlich der Schöpfung unterordnen, statt verantwortlich ihre Autorität über sie auszuüben – und zwar nicht nur die Wissenschaft, sondern die Menschheit als Gesamtheit. Damit wird zum einen die Hierarchie der Schöpfungsordnung umgekehrt und der Mensch macht sich statt seinem Schöpfer der Schöpfung Untertan. Hier haben wir den Ursprung der neuen Klimareligion. Zum anderen wird mit einem rein irdisch zementierten System wie den Szenarien des Klimawandels Macht ausgeübt über Nationen, über die Wirtschaft, über Lehre und Forschung, Medien und die gesamte Gesellschaft.

Wenn letztlich gar Menschen vermieden oder geopfert werden sollen, um das Klima zu retten, wie nach der Studie der Universität Lund, dann fragt man sich, für wen: für Wale, Elefanten und den Regenwald? War das der Plan Gottes für seine Haushalter, dass sie am besten von der Erde verschwinden, um diese zu erhalten? Und wer entscheidet dann darüber, welche Menschen sein dürfen und welche nicht?

Die Beziehungen zum Mitmenschen als Prüfstein

Aus einer christlichen Perspektive kann Klimapolitik nicht über dem Schutz des Menschen stehen, auch nicht unter der Vorgabe, dass sie langfristig dem Erhalt der Menschheit mittels Erhalt seiner Umwelt diene. Wo Beziehungen zwischen Menschen, Regierungen und Nationen diesem Ziel geopfert werden, steht der Erhalt der Menschheit und der Umwelt lange vorher auf dem Spiel, wie wir aus den Kriegen dieser Welt wissen. Wer sich um das Klima des Planeten mehr Sorgen macht als um das zwischenmenschliche Klima, ist auf dem Holzweg. Der europäische Pazifismus verwirklicht entweder glaubhaft diese zwischenmenschliche und zwischenstaatliche Beziehungsdimension oder er wird in der zunehmenden Polarisierung der europäischen Gesellschaften zerrieben. Ob der Klimawandel verhindert wird, steht in den Fragezeichen der Zukunft. Deshalb heiligt der Zweck nicht die Mittel. Ein Votum für die Bewahrung der Schöpfung schließt hingegen den Menschen entweder ein, und zwar kompromisslos hier und heute, oder es kann sich nicht auf einen christlichen Konsens berufen.

Ein Instrumentarium zur Erreichung weltweiter Klimaziele wurde 1997 mit dem Kyoto-Protokoll der Vereinten Nationen geschaffen. Ein Kernpunkt der Maßnahmen ist der Emissionsrechtehandel, mit dem vor allem die Industrienationen weltweit von eigenen Investitionen in den Klimaschutz profitieren und gut verdienen. Auf der anderen Seite des Globus werden Entwicklungsländer mit Klimaschutzverpflichtungen unter Druck gesetzt, die die Abholzung von Regenwäldern, nachholende Industrialisierung und insbesondere die Bevölkerungszunahme begrenzen sollen. Diese Verpflichtungen erschweren und verteuern nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung der ärmsten Länder und versuchen ihnen das gescheiterte westliche Familienethos aufzuzwingen. Es werden damit arme Länder in Haftung für die Sünden der reichen genommen, die unter der Annahme des vom Menschen verursachten Klimawandels durch ihre exzessive Industrialisierung für diesen verantwortlich zeichnen müssten.

Hier wird die Schieflage deutlich in der Verteilung der Lasten, der Kosten und des Nutzens der Klimaziele und die Machtausübung der westlichen Industrienationen. Die Lieferung „sauberer“ Technologien an Entwicklungsländer verschärft diese Machtausübung eher, da sie einem technischen Standard entspricht, den diese Länder oft weder bezahlen noch bedienen können. Die Beziehung zwischen den Entwicklungsländern und ihren ehemaligen Kolonialherren wird dadurch nicht geheilt, sondern sie werden wiederum bevormundet statt als Partner behandelt.

Auf nationaler und regionaler Ebene wehren sich vor allem die Kommunen gegen eine überzogene, repressive Umweltpolitik. Wenn Städte gezwungen werden, mit hohem finanziellen und Verwaltungsaufwand Umweltzonen einzugrenzen, obwohl diese nachweislich in mehreren Experimenten bereits keine oder eine minimale Verminderung der Feinstaubbelastung bewirkt haben, dann geht es nicht um das Wohl der Anwohner, sondern um Maßnahmen für eine EU-Richtlinie, um Strafen zu vermeiden.

Wenn sogar Waldflächen, die als CO2-Speicher gelten, zur Abholzung freigegeben werden sollen für immer mehr Windräder, die keinen stabilen Strom liefern, aber ganze Landstriche verunstalten und die Gesundheit von Anwohnern gefährden, wird nicht dem Gemeinwohl gedient, sondern die Widersprüchlichkeit eines Systems offenbar, das auf falschen Grundannahmen beruht.

In einer Demokratie sollte die Macht vom Volk ausgehen und nicht von einem Machtsystem, das über dessen Bedürfnisse bestimmt. Wer Demokratie erhalten will, ist zudem auf Akzeptanz politischer Maßnahmen vonseiten der Bevölkerung angewiesen. Politische Bildung ist zur Förderung dieser Akzeptanz solange ein legitimes Mittel, wie verschiedene Sichtweisen auf das Problem thematisiert werden und jeder die Möglichkeit hat, sich eine ausgewogene Meinung dazu zu bilden unter Abwägung aller kurz- und langfristigen Nutzen- und Gefahrenpotenziale. Leider ist das in der Klimadebatte nicht der Fall und es ist gelungen, mit einseitigen Informationen in der nächsten Generation Angstszenarien zu schüren, die nun deren Proteste und Forderungen befeuern. Damit wird nicht zuletzt ein Keil zwischen die Generationen getrieben und es werden bereits gemäßigte Stimmen als Gefährder des Gemeinwohls gebrandmarkt. Unzufriedenheit und Ohnmacht, Unterwanderung, Verschwörungstheorien und Unfrieden sind die Folgen – mit möglicherweise ernsterem Gefahrenpotenzial für das Zusammenleben, als es die Klimaveränderungen langfristig bergen. In den zunehmenden internationalen Spannungen ist es zudem fahrlässig, mit der Abschaltung von AKWs und Kohleverstromung die eigenständige Energieversorgung aufs Spiel zu setzen.

Balance zwischen Mensch und Natur schaffen

Kann der Mensch das Klima und den Planeten retten? Vor dem Hintergrund der Vergänglichkeit der Schöpfung (Röm 8,20-22) ist der im christlichen Denken verankerte Begriff der Bewahrung der Schöpfung zu differenzieren. Was wir können, ist der umsichtige Umgang mit unseren Ressourcen mittels einer nachhaltigen statt konsumorientierten Wirtschaft. Die westlichen Industrienationen haben gigantische technische Leistungen vollbracht, hochfunktionale Städte und Infrastrukturen errichtet. Diese Wunder menschlichen Schaffens will sicher niemand stilllegen. Beispiele wie der Berliner Flughafen zeigen aber, dass dieses Schaffen an seine Grenzen kommt. Die Komplexität der Abläufe droht uns zu entgleiten. Zu wenig Nachwuchs und fehlende Fachkräfte stellen das weitere Wirtschaftswachstum der westlichen Industrie in Frage. Angesichts dieser Entwicklung kann die Frage nicht immer weiter lauten: Was können und wollen wir alles und mit welchem Großprojekt wollen wir uns das nächste Denkmal setzen?

Sondern: Wie erhalten wir einen Lebensstandard, der unsere technischen Möglichkeiten, die Umwelt und die personellen Ressourcen bestmöglich nutzt und entwickelt? Statt der Wachstumsdoktrin muss es um Erhalt des Geschaffenen, der Natur und des menschlichen Zusammenlebens gehen. Und statt immer größere Müllberge zu produzieren um die Frage: Was brauchen wir wirklich? 

Globalisierung wird nicht ohne Rückkopplung an regionale Strukturen auskommen und Umweltpolitik nicht ohne Akzeptanz der Bevölkerung. Maßnahmen wie Fahrverbote verspielen diese Akzeptanz. Wer die Umwelt und die Natur retten will, muss sie lieben und muss die Menschen lieben, um zu sehen, was beiden wirklich dient, statt sie zum Objekt einer zentralistischen Umweltpolitik zu machen.

Prioritäten für die konkrete Politik

Seit 2016 ist absehbar, dass nicht die Entwicklungsländer, sondern die G20-Länder ihre eigenen, bei der UN-Klimakonferenz in Paris 2015 vereinbarten Klimaziele verfehlen, die den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur unter zwei Grad Celsius halten sollen. Verantwortlich gemacht werden dafür zu niedrige Investitionen in erneuerbare Energien. Kann man den Effekt erneuerbarer Energien auf die Erderwärmung wirklich voraussagen?

Ein beziehungsorientierter Wirtschaftsplan für Europa und darüber hinaus fragt nicht zuerst nach Klimazielen, sondern danach, welche Gefahren im Jetzt die Welt bedrohen und wie ihnen begegnet werden kann. Dabei stellt ein auf Schulden basierendes Finanzsystem und die daran gebundene Funktionsweise der Kapitalmärkte einen der größten Risikofaktoren für die Beziehungen zwischen Völkern, Institutionen, Interessengruppen und Individuen und im Blick auf zukünftige Generationen dar, wie uns einschneidende Wirtschafts- und Finanzkrisen bereits vor Augen geführt haben. Europa braucht einen Weg, um nachhaltige Investitionen zu stimulieren, ohne die beispiellose Schuldenlast weiter zu erhöhen, sondern zu reduzieren, weil diese kurz- und mittelfristig verheerenderen Schaden bringen könnte als anerkannte Bedrohungen wie der Anstieg des Meeresspiegels.

Klimaveränderungen sollen nicht ignoriert, sondern Maßnahmen zur Anpassung unserer Lebensweise und zur Gefahrenabwehr den notwendigen Platz erhalten. Wir werden weder das Klima noch die Welt retten, noch kommende Naturkatastrophen verhindern (Lk 21,11). Aber wir können in Verantwortung vor Gott der Gesellschaft zum Besten dienen und die Auswirkungen kommender ökologischer Veränderungen begrenzen.

Eine verantwortliche Klimapolitik investiert deshalb nicht zuerst in Klimaziele, sondern in Anpassungsmaßnahmen, technologische Innovation und Katastrophenschutz. Das ist kein Fatalismus, sondern Nüchternheit. Eine nachhaltige Umweltpolitik kann auf einer ethischen Grundlage entwickelt werden, die den Zusammenhalt in der Gesellschaft bewahrt und international in gegenseitiger Achtung der Nationen und ihrer Prioritäten agiert. 

30.07.2019

Karin Heepen