Bundesgesundheitsminister Spahn bringt eine Widerspruchslösung statt aktiver Zustimmung zur Organspende in die Diskussion, die er selbst vor der letzten Gesetzesnovelle des Bundestages 2012 noch abgelehnt hat. Grund ist die eher abnehmende Bereitschaft der Deutschen zur Organspende und der Druck der Transplantationsmedizin, die die Risiken und Nebenwirkungen der Hirntoddiagnose verschweigt.

1969 wurde als Feststellung des Todeszeitpunkts die bis dahin gültige Definition des Herztodes durch die Harvard Definition des Hirntodes abgelöst. Damit wurde der Transplantationsmedizin der Weg freigemacht, um lebensfrische Organe zu erhalten. Das Gehirn gilt seitdem als das entscheidende Lebensorgan. Mit dem Tod des Gehirns funktionieren basale Grundantriebsmechanismen des Körpers wie die Atmung, das Bewusstsein oder die Regulation des Salz-/Wasserhaushaltes nicht und können normalerweise auch nicht mehr wiederhergestellt werden. Andererseits schlägt das Herz weiter, der Mensch kann seine Körpertemperatur regulieren, bewegt sich spontan und reagiert auf Berührung. Beim Aufschneiden des Körpers zur Organentnahme kommt es häufig zu Blutdruck-, Herzfrequenz- und Adrenalinanstieg. Deshalb bekommen Spender bei der Organentnahme muskelentspannende Mittel und Opiate oder sogar eine Vollnarkose. Wir erachten die Hirntod-Definition aus diesen Gründen als willkürlich und den Hirntod nicht als Tod des Menschen, sondern als Stadium des Sterbeprozesses.

Auf der Seite der Empfänger werden Kranke durch die Transplantationsmedizin dazu verführt, auf den tödlichen Unfall eines gesunden Menschen zu hoffen, um den eigenen Tod zu verhindern. Der öffentliche Druck von Medizinern zur Organspende suggeriert unterschwellig, dass es einen Anspruch oder gar ein Recht auf ein fremdes Organ gäbe. Damit werden die Grenzen der Heilkunst überschritten.

Wir sehen dahinter ein rein diesseitiges, materialistisches Menschen- und Weltbild, das den Tod mit allen Mitteln hinausschieben oder gar verhindern will. Im Sinne von Hippokrates sollen Ärzte Menschen behandeln, um sie zu heilen. Transplantierte können nicht als geheilt gelten. Der Körper wehrt sich naturgemäß gegen das fremde Organ. Medikamente mit zahlreichen Nebenwirkungen sollen das Abstoßen verhindern und setzen dafür die Immunreaktion des Körpers gefährlich herab. Der menschliche Körper ist offensichtlich kein Ersatzteillager, sondern jeder ein originales Geschöpf mit einer einzigartigen DNA.

Wir sehen die Transplantationsmedizin als mit erheblichen Risiken behaftete Methode zur oft kurzzeitigen Lebensverlängerung. Häufig wird damit Leiden verlängert, dem der Tod das natürliche Ende setzt. Zudem sind Transplantationen mit extrem hohem Aufwand und Kosten verbunden, während die Budgets für einfach heilbare Krankheiten immer mehr limitiert werden. Wir sagen deshalb nicht dem Organmangel, sondern dem Druck der Transplantationsmedizin und der Hirntod-Definition den Kampf an.

Wir lehnen jeden politischen Druck zur Organspende ab, insbesondere eine Widerspruchslösung. Organspende ist kein Akt der Nächstenliebe, wenn man im Sterben keine Kontrolle mehr über seinen Körper hat und die Organe zur anonymen Verwendung freigegeben werden. Nächstenliebe kann sich nur im Leben und gegenüber einem dem Spender bekannten Empfänger erweisen. In einer beziehungsorientierten Sicht sind deshalb freiwillig mögliche Lebendspenden zu rechtfertigen, wo eine Beziehung zwischen Spender und Empfänger besteht oder hergestellt wird und niemand zu Tode kommen muss, damit ein Organ geliefert wird.

Nur so wird zudem dem Organhandel der Boden entzogen, dem in vielen Ländern der Welt Menschen geopfert werden.

Karin Heepen

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