Interview Finanzpolitik mit Peter Reizlein (Bündnis C)

„Das aktuelle Geld ist doch nur bedrucktes Papier ohne inneren Wert“

Ein Interview des Internetmagazins "BankenOnline.org" mit unserem Finanzexperten, Peter Reizlein.

Anhaltende Niedrigzinspolitik, neue EU-Richtlinien, das Jedermann-Konto. In der finanzpolitischen Landschaft sorgten zuletzt diese Themen für Gesprächsstoff. Unsere Redaktion hat daher Führungspersonal aus Politik und Gesellschaftsvertretungen mit aktuellen Fragen konfrontiert und spannende Antworten erhalten. Heute äußert sich Peter Reizlein, Experte für Finanzpolitik beim Bündnis C – Christen für Deutschland.

Reizlein Peter 200x300Zur Person: Peter Reizlein ist Finanzexperte und Beisitzer in Bündnis C Mecklenburg-Vorpommern. 
Qualifikation: Diplom-Kaufmann, geschäftsführender Gesellschafter der Beraterkollegium Reizlein GmbH, ehrenamtlicher Finanzrichter am Finanzgericht Greifswald.

 

BankenOnline.org: Sehr geehrter Herr Reizlein, Sie sind Finanzexperte im Bündnis C, Diplom-Kaufmann und zudem noch Geschäftsführer einer Unternehmensberatung. Die Europäische Zentralbank wird ihre Niedrigzinspolitik wohl weiter fortsetzen. Wie bewerten Sie die aktuelle Lage des Bankensystems in Europa?

Peter Reizlein: Das europäische Bankensystem ist aufgrund der politischen Vorgaben der Vergangenheit in einer schlechten Verfassung. Es fing damit an, daß der Gesetzgeber beschlossen hat, daß Banken für Staatsanleihen keine Risikovorsorge treffen müssen. Daraufhin haben die Banken riskante Anleihen von überschuldeten Staaten in Südeuropa gekauft. Im Zuge der Eurokrise, die eigentlich eine Staatsschuldenkrise ist, wurde klar, daß eben nicht jede Staatsanleihe risikolos ist – siehe z.B. Griechenland.

Um den Bankrott vor allem südeuropäischer Staaten zu verhindern, hat die EZB dann u.a. den Aufkauf von Staatsanleihen sowie die Nullzins-Politik eingeführt. Darunter leiden jedoch alle Banken in der Eurozone. Das klassische Zinsgeschäft der Banken ist deutlich schwieriger und weniger ertragreich geworden. So führt ein staatlicherseits hervorgerufenes Problem zu weiteren Folgeproblemen. Einige europäischen Banken stehen bzw. standen am Abgrund und konnten nur durch den Steuerzahler gerettet werden.

BankenOnline.org: Welche Auswirkungen hat die anhaltende Niedrigzinspolitik aus Ihrer Sicht auf deutsche Verbraucher?

Peter Reizlein: Der deutsche Sparer wird schleichend enteignet. Die klassischen Anlagen der Deutschen sind Sparguthaben sowie Lebensversicherungen, die weitgehend in festverzinsliche Wertpapiere investieren. Diese Anlagen verzinsen sich nicht mehr. Wenn die EZB das Inflationsziel von 2% im Durchschnitt erreicht, dann verlieren die Guthaben jährlich 2% der Kaufkraft. In 34 Jahren ist dann in dieser Konstellation die Hälfte des Vermögens entwertet.

BankenOnline.org: Wozu raten Sie Verbrauchern, wenn Geld- und Sparanlagen – verkürzt gesagt – entwertet werden, weil dafür keine Zinsen mehr gezahlt werden? Kommt der Sparstrumpf unter dem Kopfkissen wieder zum Einsatz?

Peter Reizlein: Das traurige an der deutschen und europäischen Währungspolitik ist, daß die besten alternativen Anlagen für den Normalsparer kaum erreichbar sind. Anlagen in Immobilien, Kunst und Aktien erfordern ein bestimmtes Mindestvermögen, um die gebotene Mischung in den Anlagen zu erreichen. Aktienfonds sind aufgrund der hohen Kosten nicht zu empfehlen; eher sollten ETF gekauft werden.

Der Sparstrumpf ist in der Tat eine Alternative, die mangels Zinsen keine entgangenen Zinseinnahmen hat. Ich empfehle neben einer Monatsausgabe in Bargeld daher auch einen kleinen Bestand an Gold- und Silbermünzen zu erwerben, um für den Notfall immer zahlungsfähig zu sein. Das zu lösende Problem besteht dann in der sicheren Verwahrung.

BankenOnline.org: Die neue EU-Richtlinie zur Vergabe von Immobilienkrediten, die seit März 2016 auch in Deutschland umgesetzt wird, benachteiligt junge Familien und ältere Menschen. Diese Gruppen erhalten immer häufiger eine Ablehnung ihres Baudarlehens und werden damit sozial benachteiligt. Schließen Sie sich der Initiative einiger Landes-Finanzminister zur Entschärfung dieser Regelungen an?

Peter Reizlein: Selbstverständlich! Wie so oft, ist der deutsche Gesetzgeber wieder am oberen Limit dessen, was aus der EU angeregt wird. Andere Länder sind da gelassener. Wir haben in Deutschland seit Jahrzehnten ein sehr gut funktionierendes System der Vergabe von Immobilienkrediten. Das kann ich aus meiner eigenen Banktätigkeit bestätigen. Dieses gute und funktionierende System wird nun beschnitten, so daß bestimmte Gruppen kaum noch die Chance haben, eine Immobilie zu erwerben. Dies ist umso ärgerlicher, da die Bildung von Immobilieneigentum angesichts der politisch-verordneten Nullzins-Politik enorm wichtig ist.

BankenOnline.org: Welche Position nehmen Sie und Ihre Partei zum Thema Bargeld ein?

Peter Reizlein: Bargeld ist Freiheit! Bargeld muß beibehalten werden!
In einer Welt ohne Bargeld wird der Bürger gläsern. Jede seiner Schritte und finanziellen Ausgaben kann auf Knopfdruck von Banken, Behörden und Finanzämtern nachvollzogen werden. Jeder Bürger hinterließe dann eine nicht nur finanzielle Spur durch sein Leben – Orwell läßt grüßen.

BankenOnline.org: Stichwort: Jedermann-Konten. Zwar kann seit Juni 2016 jeder ein sogenanntes Basiskonto bei Banken eröffnen, doch die Gebühren für derartige Guthabenkonten sind bei vielen Angeboten höher, als bei gewöhnlichen Girokonten. Zahlen damit nicht gerade die Schwächsten der Gesellschaft die höchsten Gebühren?

Peter Reizlein: Zunächst einmal erleben wir aktuell auf breiter Front eine Erhöhung der Bankgebühren für alle Kunden. Aufgrund der politisch-verordneten Nullzins-Politik haben auch die Banken Rückgänge in den Zinserträgen, die diese nun über höhere Gebühren zu kompensieren versuchen. Somit wird es zu einer Angleichung der Gebühren kommen.

§ 41 des Zahlungskontengesetzes verlangt von den Banken eine angemessene Kostenerhebung für die Führung eines Basiskontos. Der Gesetzgeber fordert also eine begründet angemessene Kostenstruktur.

BankenOnline.org: Welche Rückmeldung zu finanzpolitischen Themen erhalten Sie von Ihren Wählern?

Peter Reizlein: Die meisten Deutschen sind wenig sensibel und aufgeklärt in diesen Dingen. Ein solides Geld und eine solide Finanzordnung zählen jedoch zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine stabile und erfolgreiche Volkswirtschaft. Es kann sich auch kaum ein Deutscher vorstellen, daß es ggfs. zu einer starken Inflation oder einer erneuten Währungsreform kommt – obwohl wir Deutschen damit schon mehrfach in den letzten 100 Jahren konfrontiert wurden. Diese finanzwirtschaftlichen Themen sind schwer zu durchschauen für den Normalbürger. Von daher begrüße ich sehr, daß Sie sich diesen Themen widmen.

BankenOnline.org: Was wären die für Sie wichtigsten Reformen im Bereich der Finanzpolitik?

Peter Reizlein: Wir müssen das Geldwesen reformieren und wieder zurückkommen zur historisch bewährten Gold-(Edelmetall-)Währung. Das aktuelle Geld ist doch nur bedrucktes Papier ohne inneren Wert. Die Zentralbanken schöpfen auf Knopfdruck Geld aus dem Nichts, welches keine materielle Grundlage hat.

Neben den guten Erfahrungen mit einer Goldwährung in England und den USA hatten auch das Deutsche Reich eine goldgedeckte Währung von 1871-1914. In diesen Gründerjahren war Deutschland zeitweise schuldenfrei und es gab deutlich höhere wirtschaftliche Wachstumsraten als in den letzten Jahrzehnten. Aufgrund einer niedrigen Besteuerung hatten die Menschen auch deutlich mehr netto vom Brutto-Einkommen. Der Spitzensteuersatz der Einkommensteuer lag in Preußen bei 4%. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.

Die Wiedereinführung einer gold- oder edelmetallgedeckten Währung würde zukünftig ausufernde Staatsverschuldung verhindern. Es gäbe ein stabiles Geld, welches viele heutige Probleme löste. Über ausufernde Staatsschulden, Nullzins-Politik und Rettungsmaßnahmen für Euro-Schuldnerstaaten bräuchten wir uns dann nicht zu unterhalten. Diese Begleiterscheinungen des hemmungslosen Gelddruckens gäbe es dann nicht mehr.

BankenOnline.org: Sehr geehrte Herr Reizlein, wir danken Ihnen für dieses Interview.

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